
Deutschland ist im Fußball-Fieber! Nachdem 2006 die ganze Fußball-Welt nach Deutschland geschaut hat und Zeuge des „Sommermärchens“ wurde, steht das Land in diesem Sommer wieder einmal im Mittelpunkt des sportlichen Interesses. Mit der Frauenfußball-Weltmeisterschaft findet das fußballerische Highlight des Jahres 2011 in Deutschland statt. Die Chancen stehen gut, dass die Fußball-WM zu einem Erfolg wird, nicht nur auf sportlicher, sondern auch auf gesellschaftlicher und medialer Ebene.
Frauenfußball ist in Deutschland schon lange keine Randsportart mehr. Der Deutschen liebster Sport wird inzwischen mehr und mehr von der Damenwelt betrieben – und das sehr erfolgreich! Nicht nur die großen Erfolge der Nationalmannschaft, sondern auch der gesellschaftliche Wandel, die Emanzipation der Frau und die zunehmende Aufhebung von Geschlechtsstereotypien haben dazu geführt, dass der Frauenfußball sich in den letzten beiden Jahrzehnten rasant entwickelt und sich zu einer der am stärksten wachsenden Sportart gemausert hat. Frauenfußball ist salonfähig geworden und wird von immer mehr Frauen und Mädchen praktiziert, die mit einer neuen Selbstverständlichkeit dem runden Leder auf den Fußballplätzen der Republik hinterherjagen.
Frauenfußball: Höhepunkt 2011
Mit der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land erlebt der deutsche Frauenfußball seinen vorläufigen Höhepunkt.
Dem war nicht immer so. Frauenfußball war lange Zeit in Deutschland verboten und genoss keineswegs die Unterstützung des Deutschen Fußballbundes. Erst 1970 hob der DFB das Verbot von Frauenfußball auf, und 1974 wurde die erste offizielle deutsche Meisterschaft ausgetragen, aber erst 1990 wurde die Bundesliga gegründet. Nachdem Frauenfußball lange Zeit belächelt wurde und durch abgeänderte Regeln nicht gleichberechtigt behandelt wurde, haben die überragenden Leistungen der deutschen Fußballerinnen das Image des Sports verändert. Mit seinem Ausspruch „Die Zukunft des Fußballs ist weiblich“ hat Joseph Blatter, Präsident des Weltfußballverbands FIFA, 1995 für mehr Akzeptanz der Sportart geworben und dem Frauenfußball eine blühende Zukunft prophezeit. Immer mehr Frauen und Mädchen interessieren sich für den Ballsport und schnüren ihre Fußballschuhe. Weltweit spielen mittlerweile 26 Millionen Frauen Fußball, dies sind zehn Prozent aller Fußballspieler. In Deutschland spielen über 1 Million Mädchen und Frauen Fußball, so viel wie nie zuvor, während die Zahl der Aktiven bei den männlichen Sportlern rückläufig ist. Deutschlands Sportart Nummer Eins ist nicht mehr als reine Männerdomäne zu betrachten.
In der öffentlichen Wahrnehmung ist Frauenfußball wesentlich weniger präsent als das Ballspiel der männlichen Kollegen. Im Jahre 1989 wurde das erste Mal ein Frauenfußballspiel im deutschen Fernsehen übertragen, und selbst in den vergangenen Jahren hat Frauenfußball meist nur am Tag des DFB- Pokalfinales die mediale Aufmerksamkeit genossen – wenn die Damen im Berliner Olympiastadion das Pokalfinale unmittelbar vor dem medienträchtigeren Männerfinale austrugen.
Die Erfolge der Deutschen Nationalmannschaft können sich sehen lassen und übertrumpfen die Erfolge des männlichen Pendants um ein weites. Auf den Titel des Europameisters scheinen die deutschen Fußballfrauen ein Abonnement zu haben – seit 1995 ist es keinem anderen europäischen Team gelungen, die Deutsche Nationalmannschaft vom Thron zu stoßen, und mit sechs Titeln bei bislang nur acht ausgetragenen Europameisterschaften ist die deutsche Mannschaft Rekordmeister.
Weltweit gelten die Deutsche Nationalmannschaft und das US- amerikanische Team als die besten Mannschaften, die je zweimal den Weltmeistertitel für sich entscheiden konnten. Die deutsche Nationalmannschaft konnte nach dem ersten Titelgewinn 2003 den Titel 2007 verteidigen und gilt somit auch bei der WM 2011 als Top-Favorit.
Das aktuelle Nationalteam wird seit 2005 von Silvia Neid trainiert, die die Spielerinnen bereits zu einem Europameister- und einem Weltmeistertitel führen konnte. Auch der Nachwuchs der deutschen Fußballfrauen ist überaus erfolgreich und hat schon zahlreiche internationale Titel eingestrichen.Eine glorreiche Zukunft des deutschen Frauenfußballs scheint also gesichert.
Als bekannteste deutsche Fußballspielerinnen gelten zweifellos Birgit Prinz, Nia Künzer und Steffi Jones. Birgit Prinz ist Weltfußballerin der Jahre 2003 – 2005 und Rekordtorschützin der WM 2007 und ist auch 2011 bei der WM im eigenen Land mit von der Partie.
Die erfolgreichste deutsche Vereinsmannschaft im Frauenfußball ist der 1.FFC Frankfurt, der neben sieben Deutschen Meisterschaften auch zahlreiche internationale Titel erreichen konnte, gefolgt von Turbine Potsdam. Einige Mannschaften haben inzwischen eine recht ansehnliche Fangemeinde, die die Spielzeiten ihrer Teams begeistert verfolgen.
Trotz der großen Erfolge des deutschen Frauenfußballs können nur die wenigsten Spielerinnen unter Profibedingungen trainieren. Obwohl die Trainingsmethoden und Anforderungen an die Spielerinnen inzwischen mit denen der Männer zu vergleichen sind, müssen die meisten Spielerinnen hart kämpfen um eine finanzielle Anerkennung ihrer Leistungen. Nur wenige Frauen sind als Profi-Fußballer aktiv. Während
Werbeartikel für den Männersport den Markt überschwemmen, können die weiblichen Profis bislang nur wenig Profit aus Werbung, Medien und Öffentlichkeit ziehen.
In Anbetracht der bevorstehenden Weltmeisterschaft ist ein großes mediales, sowie öffentliches Interesse zu erwarten. Unter anderen ist das Eröffnungsspiel am 26.06. in Berlin bereits ausverkauft, und die Organisatoren freuen sich darüber, dass über 70% des Kartenkontingents knapp vier Wochen vor Start der WM bereits ausgeschöpft ist. Die neun WM-Stadien werden also voll sein mit einem internationalen, fußballbegeisterten Publikum. Werbestrategen freuen sich über das große Interesse der Deutschen an diesem Event und bringen eine Vielzahl von Werbeartikel und Fanaccessoires auf den Markt. Die ersten der 16 Endrunden-Teilnehmer sind bereits in Deutschland eingetroffen und bereiten sich auf das Fußball-Highlight des Jahres vor. Das deutsche Team hat seine Nominierung für den Kader bekannt gegeben, und alle Fußballfreunde sehen mit Spannung der WM entgegen. Bleibt zu hoffen, dass die Fußballweltmeisterschaft 2011 zu einem zweiten „Sommermärchen“ wird.