Frust
Selbständigkeit nur aus Frustration darüber, weil aus den Bewerbungen bei den Arbeitgebern nichts wird, das geht erst einmal so richtig gar nicht. Ausgenommen davon sind jene Mitmenschen, oft mit dem so genannten Migrationshintergrund, deren Ausbildung allein formal in Deutschland nicht anerkannt wird, die gezwungen sind, ihre ganze Lebensenergie darauf zu verwenden, sagen wir mal ganz salopp, einen Dönerladen auf zu machen. Dennoch, sogar von staatlicher Seite wurden ja einst unter Kanzler Gerhard Schröder im Verein mit seinem Freund Peter Hartz unter dem Wohlklang Agenda 2010 geradezu Gleise verlegt in die Richtung der “Frustrations-Selbständigkeit” mit der hippen Bezeichnung “Ich-AG”, was übersetzt nur hieß: “ich bin eben mal weg aus der Arbeitslosenstatistik”. In den Medien wurden dann ab und zu jenes Prozent als Erfolgsmodell vorgestellt, bei dem dieser gewagte Schritt zufällig geklappt hat; über die kläglich gescheiterten 99 Prozent wurde nie berichtet.
Überzeugung und Charakter
Der Schritt in die Selbständigkeit braucht innere Überzeugung. Zuerst muss ich die Frage: “bin ich charakterlich geeignet, ein erfolgreicher Unternehmer zu sein ?” mit einem ganz klaren JA beantworten können. Zwar kann jeder vieles lernen, aber so undefinierbare Eigenschaften wie Charisma, das hat man, oder man hat es nicht. Wer an dieser Stelle schon wackelt mit relativierenden Formulierungen der Art: “na ja, unter gewissen Umständen, wenn alles gut läuft, …..”, sollte sich sofort irgendwo einen Job als Angestellter suchen, denn es läuft nie immer alles gut. Nur eine gefestigte, selbstbewusste, überzeugende Persönlichkeit mit diversifizierten Fähigkeiten und der Intelligenz, sich schnell sachkundig zu machen, um nachhaltige Entscheidungen von Tragweite zeitnah und fundiert treffen zu können, kann mit einer erfolgreichen Selbständigkeit rechnen.
Geschäftsidee und Stolz
Eine (sehr) gute Geschäftsidee ist dabei extrem wichtig, aber allein nicht ausreichend. Nehmen wir als Beispiel einen Elektroniker, der als guter Fachmann eine recht witzige Erfindung macht. Er möchte die Sache technisch weiter optimieren, herstellen und vermarkten, ist aber auch noch stolz darauf, dass er von diesem ganzen patentrechtlichen Kram, von den Rechtsformen der Firmen, von bürokratischen Fragen der Personalverwaltung und vom überbordenden deutschen Steuerrecht keine Ahnung hat, denn er ist ja ein sehr guter Wissenschaftler oder Techniker, das muss doch reichen im Leben eines Menschen. Nein, es reicht nicht, um eine Firma zu gründen und zu leiten, denn damit übernimmt man eine außerordentliche Verantwortung für sich selbst und auch für viele andere Menschen, ggf. auch noch für Natur und Umwelt. Das klingt vielleicht hochtrabend, es gilt aber tatsächlich allgemein, auch dann, wenn man gar nicht vor hat, einen neuen Siemens-Konzern zu gründen, sondern ja eigentlich nur an einen Blumenladen dachte.
Eigenkapital und Gesundheit
Alles spricht heute vom Businessplan. Den werden Sie auch dringend brauchen, wenn Sie im Zuge der Unternehmensgründung Darlehen aufnehmen müssen, Stichwort KfW. Manche lassen sich sogar dazu hinreißen, den Businessplan, der übrigens nur aus geduldigem Papier und Tinte besteht, so überzeugend zu gestalten (oder auch von Profis gestalten zu lassen), dass Banken quasi ohne nennenswertes Eigenkapital des Firmengründers bereit sind, Grünes Licht zu geben. Das kann in Einzelfällen gut gehen, in den allermeisten Fällen dieser Art ist die Insolvenz aber vorprogrammiert. Oben wurde bereits auf die Charakterstruktur des Unternehmers hingewiesen. Mindestens genauso wichtig ist gerade in der Frühphase der Firma seine außergewöhnlich starke und stabile Gesundheit. Längere Ausfallzeiten wirken sich finanziell fatal aus. Mit einem passenden Versicherungsschutz, den sich aber nicht jeder leisten kann, sollte hier vorgesorgt sein.
Geiz und Hierarchie
Die Qualität eines Unternehmens steht und fällt mit der Qualität, ggf. auch Quantität seiner Mitarbeiter. Wer an dieser Stelle geizt, hat schon verloren. Hoch motivierte Mitarbeiter bringen eine Firma schnell voran. Wie man das erreicht, auch darüber gibt es heute Studien. Kernpunkte sind dabei z. B. eine flache Hierarchie (jeder soll sich in seiner Wichtigkeit in etwa gleichwertig fühlen, ein unersetzbares Rad im Gesamtgetriebe sein). Eine gute Personalführungskompetenz ist ein wichtiger Schlüssel für den Erfolg einer Firma. Eine hohe Motivation der Mitarbeiter erreicht man nicht nur durch häufige Gehaltserhöhungen im Verbund mir der vertrauensvollen Übertragung höherwertiger Aufgaben (Stichwort Fordern und Fördern), wenngleich diese auch hilfreich sein können. Es geht auch um die gesamtgesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist heute ein großes und wichtiges Thema, denn unsere alternde Gesellschaft braucht junge Menschen, die Familien gründen und Kinder haben (demografischer Wandel, Generationenvertrag). Ein verständnisvoller und zuhörender Chef, der seinem Mitarbeiter, vielleicht der alleinerziehenden Mutter, individuell zugesteht, dass sie eben erst nach 09:30 Uhr erscheinen muss, damit die Kinder zuvor in den Kindergarten gebracht werden können, und gleichzeitig auch noch die nachmittägliche Abholung der Kinder akzeptiert, dem ist eine nachhaltige Loyalität der Mitarbeiter so gut wie sicher. Das sind die Mitarbeiter, die über ihren Arbeitsplatz angesprochen so anfangen: “in meiner Firma …..”
Werbung
Werbung ist wichtig. Aber es kommt sehr darauf an, wie man das macht. Streuartikel wie bunte Fähnchen, Kugelschreiber und Kalender oder Bonbons mit Firmenlogo und Flyer verteilen, das ist so billig, damit haben Sie sofort den Ruf einer “Peanuts-Firma” weg. Lassen Sie sich nicht herab auf ein solches Niveau, auch wenn selbsternannte Werbespezialisten dringend dazu raten. Tiefreichende Kundenbindung erreicht man, wenn man seinen Kunden das Gefühl gibt, dass ihre ganz speziellen Wünsche sehr ernst genommen und individuelle Lösungen dafür erarbeitet werden; der Kunde muss viel mehr sein als nur seine Kundennummer. Deshalb sind auch sture Eingabemasken für Datenbanken ohne Möglichkeit des Gesprächs mit einem Mitarbeiter ganz schlecht. Abschließend sei hier noch das schlechte Beispiel der Direktbanken angeführt. Sie sind ständig auf der Suche nach neuen Kunden und versprechen diesen Geldgeschenke für die Eröffnung eines Kontos. In der Folge gibt es abertausende Trittbrettfahrer, die eigentlich gar kein neues Konto brauchen, es aber trotzdem kurzfristig eröffnen, um den Bonus zu kassieren, völlig legal. Bislang gibt es noch keine Bank, die auf die Idee gekommen ist, genau das Umgekehrte zu tun: langjährige treue Kunden erhalten am Jahresende eine Zuwendung in Abhängigkeit der Länge ihrer Mitgliedschaft und vielleicht sogar auch in Abhängigkeit der Höhe der Umsätze auf ihrem Konto. Da braucht es keinen Flyer, allein die Mundpropaganda “ich habe dieses Jahr von meiner Bank wieder 200 Euro geschenkt bekommen, doppelt so viel wie letztes Jahr” beschehrt so einer Bank millionen ernsthafte Kunden, die auch sehr lange bleiben. Werbung ohne zu Ende gedachte Strategie ist nichts wert.
Wenn Sie als Firmengründer diese Gedanken ernsthaft beherzigen, starten Sie mit einer deutlich erhöhten Erfolgswahrscheinlichkeit, die Ihnen von ganzem Herzen gegönnt sei.